Zu Tisch - Esskultur in Uganda Bananenbast |
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Die Bananenstaude ist der am vielseitigsten genutzte Rohstoff der Region Buganda. Unzählige Arten von Bananen wachsen hier – im Wesentlichen unterscheidet man die säuerlich-herben Kochbananen, kleine süße Bananen und Sorten, die für das Brauen von Bananenbier verwendet werden. Überall in der Region stehen Bananenstauden um die Häuser und Hütten herum. Jeder Einwohner hat - wenn irgend möglich - seine eigene kleine Bananenpflanzung, aus der er seine Familie zu ernähren versucht. Dabei trägt eine Staude, von uns oft mit einem Baum verwechselt, nur ein einziges Mal Früchte. Danach wird sie abgeholzt, sobald sich an ihrem Fuß ein neuer Austrieb gebildet hat. Der "Stamm" besteht aus den harten, bastartigen Stängeln der Blätter, die sich erst in der Krone zu dem großen Blätterschirm teilen. Im Schatten der Bananenstauden werden empfindlichere Früchte wie Bohnen oder Eierfrüchte (kleine Verwandte der Auberginen) angebaut, die durch das dichte Blattwerk vor allzu sengender Sonne geschützt werden. Aus dem Stängel wird strapazierfähiger Bast gewonnen, mit dem rohe Seile geflochten oder gedreht werden. Das Blatt der Staude dient als Topfdeckel beim Kochen, als Verpackungsmaterial für Lebensmittel und alles, was transportiert werden muss. Außerdem kann man mit ihm Dächer decken. Mit den Bananenblüten spielen die Kinder. In einen Lumpen gewickelt, ist ihre schwarz schillernde Spitze der Kopf einer Puppe. |
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Aus den Fasern des Bananenbasts, der sich an den "Stämmen" der Stauden findet, werden Seile gewunden und geflochten. Wäscheleinen bestehen aus Bananenbast, ebenso wie Leinen, um Hoftiere am Davonlaufen zu hindern (bei Schweinen und Ziegen werden die Füße zusammengebunden, um ihre Bewegung einzuschränken, Hühnern bindet man die Füße fest zusammen, wenn sie transportiert werden). Aber auch Springseile und Fußbälle werden aus Bananenbast gefertigt. |
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Bananenblätter sind elastisch und strapazierfähig und eignen sich daher für vielfältige Einsätze. Während der Regenzeit brechen sich Fußgänger Bananenblätter von der Staude, um sie als Schirm über den Kopf zu halten. Die wasserabweisende Qualität der großen Blätter wird auch manchmal zum Dachdecken bemüht, meist verwendet man hierzu aber Wellblech. Wer sich das nicht leisten kann, benutzt Elefantengras oder Schilf, ähnlich den hier bekannten Reetdacheindeckungen. Geschenke und Mitbringsel für Gäste werden in geschickt gesteckte Taschen aus frischen Blättern verpackt. Das kann unter Umständen auch ein lebendes Huhn sein - alles bis zu dieser Größe kann in Bananenblättern verpackt werden. Mehrere Lagen Blätter werden beim Kochen fest auf die im Topf oder Kessel aufgeschichteten Speisen gelegt. Der feste Verschluss erlaubt ein Garen mit wenig Wasser, weil kein Wasserdampf aus dem Topf entweichen kann. Außerdem verleihen die Blätter dem Gericht einen herben Geschmack. Zum Trichter gedreht, wird ein Bananenblatt auch schnell zur Tankeinfüllhilfe. In fast jedem größeren Dorf gibt es einen kleinen Händler, der einen oder mehrere Kanister mit Benzin bereithält, denn in einer Gegend, in die nur selten ein Auto kommt, gibt es auch keine Tankstellen. So fragt man nach dem nächsten Benzinauffüller und bekommt aus einem 20-Liter-Wasserkanister aus der Wohnstube den Tank aufgefüllt. Als Stutzen dient der Bananenblatt-Trichter, der nach Gebrauch einfach am Straßenrand liegen bleibt. Erzählungen von Explosionen in diesen Häusern sind ebenso häufig wie die von liegen gebliebenen Autos wegen gepanschten Benzins, auf Nachfrage konnte sich jedoch niemand an einen Fall in seiner unmittelbaren Umgebung erinnern. |
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Matoke. Hauptgericht oder Beilage bei fast jeder Mahlzeit Der sehr feste Bananenbrei ist Grundlage der Ernährung. Zu beinahe jeder Mahlzeit bildet er die Grundlage. Für seine Herstellung werden Kochbananen benutzt, die roh sehr hart sind, eine grüne Schale haben und sehr bitter schmecken. Auf Fahrrädern werden die schweren Früchte zu den zentralen Märkten transportiert und dort direkt verkauft. Ob auf den überfüllten Bussen auf den wenigen asphaltierten Überlandstraßen oder den voll besetzten Ladeflächen der Pick-Ups, Bananen sind ein ständiger Begleiter. Für einen Kessel Matoke – diese Menge ist bedingt durch die vielköpfigen Familien (besonders auf dem Land hat eine Familie nicht selten sieben oder mehr Kinder) und die Anzahl der Besucher, die wegen der langen und gefährlichen Wegstrecken häufig mehrere Tage bleiben – werden zunächst die Kochbananen mit einer Machete oder einem starken Messer von ihrer grünen Schale befreit. In meist großen Kesseln über dem Holzfeuer oder auf aus Autofelgen gebauten Kohlegrills werden die mit dem Messer geschälten und zerteilten Bananen unter einer Abdeckung aus Bananenblatt gegart. Der daraus entstandene Brei enthält noch die sichtbaren Bananenstücke. Wer es sich den Zeit- und Energieaufwand leisten kann, kocht den Brei nach dem Abkühlen und Stampfen noch einmal auf, um ihn weicher und bekömmlicher zu machen. Der bittere Geschmack, im Vorbrei noch leicht enthalten, ist nun verschwunden, der Matoke schmeckt dann süßlich-herb und mild. In dieser Form wird er als Beilage zu gesottenem Hühner-, Schweine- oder Ziegenfleisch gereicht und in Erdnuss- oder Fleischsoßen getunkt. Gern werden beim zweiten Kochen aromatisierende Zutaten hinzugefügt: Kleine getrocknete Fische oder zu Strängen geflochtene Innereien ergänzen den Speiseplan und sorgen für einen veränderten Geschmack - für europäische Gaumen gewöhnungsbedürftig. (Wer einen Matokebrei zu Hause nachkochen möchte, kann auch auf entfernt ähnlich schmeckende Kochbananen aus Asiaimportläden zurückgreifen. In einigen Städten werden sogar Kochbananen aus Uganda oder Kenia angeboten, allerdings sind sie schwer zu bekommen.) Kochbananen können auch auf offenem Feuer gegrillt werden. Geröstete Bananen werden den Passagieren der großen Überlandbusse an den Haltepunkten als Imbiss angeboten. Die hierfür benutzte Sorte Kochbananen ist eine spezielle, also nicht die gleiche Sorte wie für Matoke. Sie ähneln geschmacklich den aus Asien nach Europa importierten Kochbananen. Die süßen Bananen sind deutlich kleiner als ihre herben Verwandten. Bei uns in den Läden bekommt man sie als "Mini-" oder "Babybananen". Durch ihre volle Reifezeit direkt am Baum sind sie allerdings vor Ort viel süßer und aromatischer als Importbananen. Süße Bananen werden eher selten serviert, wegen ihres intensiven Geschmacks sind sie allerdings dennoch sehr beliebt. |
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Aus einer bestimmten Sorte süßer, kleiner Bananen wird Bier gebraut, das besonders zu Feiern wie Hochzeiten oder anderen Anlässen genossen wird. Bier brauen ist - ebenso wie das Kochen - Sache der Frauen, die hier allerdings tatkräftige Hilfe der Männer erhalten. Zum Beginn des Bierbrauens - eher -gärens - steht das Graben: An einer nicht zu sonnigen Stelle wird ein Becken von etwa einem Meter Durchmesser gegraben, in das dann als Unterlage mehrere Lagen Bananenblätter gelegt werden. In diesen kleinen Teich kommen nun die Bananenfrüchte für die Vorgärung und werden leicht gestampft. Sind die Bananen zu einer festen Masse vergoren, werden sie in eine zweite Grube gleicher Machart umgeschichtet und mit einer bestimmten Amarant-Körnerart versetzt, die den Gärprozess steuert. Nach einigen Tagen wird die schon flüssige Masse dann in einen ausgehöhlten Baumstamm gefüllt, um dort ihre endgültige Reife zu erlangen. Traditionell wurde dieser Stamm dann von Trägern zum Ort einer Feier getragen. Heute wird das Bananenbier in Plastikkanister gefüllt und so transportiert. Die meisten Besucher einer Feier trinken aber lieber das moderne Flaschenbier aus der Brauerei, das auf jeder großen Familienfeier von fliegenden Händlern angeboten wird. |
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Gegessen wird traditionell nicht an einem Tisch mit Stühlen, sondern auf bunten Matten knieend. In den meisten Haushalten sind Tische mittlerweile allerdings üblich, auch wenn außerhalb der Mahlzeiten noch gern auf Matten gesessen wird. In ärmlichen ländlichen Gebieten werden die Mahlzeiten auch heute noch auf Matten eingenommen. Die Speisen werden in tiefen Tellern serviert, ein zweiter Teller liegt als Deckel darüber, um Insekten fernzuhalten. Traditionell wird kein Besteck benutzt, sondern mit der Hand gegessen. Das heißt aber nicht, dass die feinen Tischsitten vergessen werden könnten. Vor der Mahlzeit reicht man sich einen Krug mit Wasser und ein Stück Seife, jeder Esser wäscht sich vor den Augen der anderen die Hände. Zum Essen wird nur die rechte Hand benutzt, die linke darf nur beim Essen von Hähnchenkeulen assistieren, um die Knochen auseinanderziehen zu können. Nach alter Sitte wird gemeinsam aus einer Schüssel gegessen. Aus hygienischen Gründen hat heute fast jeder einen Teller für sich, nur bei besonderen Anlässen wird das gemeinsame Essen aus der gleichen Schüssel noch wegen des Gefühls der Zusammengehörigkeit praktiziert. Mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger wird nun eine kleine Schaufel gebildet und eine mundgerechte Portion vom Matokebrei abgetrennt. Der Brei ist zunächst noch recht flüssig, erst durch das leichte Kneten zwischen Daumen und Fingern wird der Brei härter. Nun kann der Breikloß auch in Soßen gewälzt oder an ein Stück Fleisch geheftet werden, bevor er verspeist wird. Hühnchen sind in Uganda recht rar und sehr beliebt. So kam es, dass seit Einführung der Hühner (vermutlich durch Missionare im 19. Jahrhundert) diese Speise nur den Männern vorenthalten blieb. Noch heute essen viele ältere Frauen kein Hühnerfleisch, auch wenn ihre Töchter sich oft nicht mehr an diesen Brauch gebunden fühlen. |