Aids in Mazinga

Mazinga liegt unweit des Victoriasees. Betrachtet man die Verbreitung von Aids in Uganda, so sind es genau die Gebiete am Ufer des Victoriasees, an denen sich die Krankheit zuerst ausbreitete und von wo aus sie sich in das Land fraß.

Mitte der 80er Jahre betrug die Aidsrate nach offiziellen Untersuchungen etwa 30%. In diesen zuerst betroffenen Gebieten jedoch war die Rate weitaus höher, da die Krankheit hier eine gänzlich unvorbereitete Bevölkerung traf. In den 90er Jahren hatte die Regierung bereits umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV und Aids getroffen. In den Krankenstationen wurden sterile Behandlungsmethoden eingeführt; in Kirchen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen wurde über Aids aufgeklärt. Die Vertreter der katholischen Kirche haben sich darauf verständigt, für Treue in Partnerschaft und Ehe zu predigen und verzichten großteils auf die Geißelung von Kondomen.

Doch diese Hilfen kamen für all diejenigen, die sich bis dahin infiziert hatten, zu spät. Und so sind es in Mazinga die Kinder, die unter "der Krankheit", wie Aids beinahe ehrfurchtsvoll genannt wird, zu leiden haben, weil ihre Eltern sie als Waisen zurücklassen mussten.

Heutzutage hat sich die Infektionsrate bei etwa sechs Prozent eingependelt, was zum Einen auf die Eindämmung der Neuansteckungen, zum Anderen auch schlicht auf den Tod der Infizierten zurückzuführen ist. Darüber hinaus ist diese Zahl mit Vorsicht zu genießen, da die ugandische Regierung aufgrund ihrer Vorzeigerolle in der Aidsbekämpfung unter enormem Druck steht.

 

Die Generation der heute etwa Dreißigjährigen fehlt zu großen Teilen, ihr Tod hat eine große Lücke in die Bevölkerung gerissen. Ausgerechnet die Generation, die eigentlich jetzt die Kinder großziehen müsste und einen Großteil der wirtschaftlichen Last zu tragen hätte, ist am stärksten betroffen. Und noch immer sterben die Menschen dieser Generation. Mittlerweile werden die Kranken nicht mehr ausgestoßen, wie es in einigen Gebieten früher üblich war, sondern bis zum Tod von ihren Familien begleitet. Viele Kinder sorgen für die erkrankten und geschwächten Eltern, solange diese noch leben. Billigere Medikamente sind zwar erhältlich, haben aber starke Nebenwirkungen und sind häufig genug noch zu teuer oder gar nicht regelmäßig zu bekommen, so dass der Tod nur wenig hinausgezögert werden kann.

 

Die hinterbliebenen Kinder kommen bei Verwandten unter, die oft genug kaum für sich selbst sorgen können: Die Großeltern etwa sind oft selbst schon gebrechlich und wären auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen, statt nun noch für die Enkel sorgen zu müssen. In den Familien anderer Verwandter werden die Kinder zwar aufgenommen, müssen sich dort aber mit schwerer Hausarbeit nützlich machen, da die Familien sich den "Esser mehr" eigentlich nicht leisten können. So ist es umso wichtiger, dass eine Schulbildung ohne Schulgeld angeboten wird: Nur so kann zumindest ein Teil der Aidswaisen die nötige Bildung erhalten.

 

Oft ist es nicht leicht, die Hinterbliebenen von der Bedeutung eines Schulbesuchs für die Kinder zu überzeugen. Denn wer zur Schule geht, der kann zu Hause nicht mehr auf dem Feld oder im Haus arbeiten. Wer Schulbildung hat, kann damit allerdings später seiner gesamten Familie helfen. Dieses Argument überzeugt, und so ist der Schulbesuch mittlerweile ein anerkanntes Privileg.